Die Evang.- Luth. Kirchengemeinde Weidenberg zählt heute in zwei "Pfarrsprengeln" etwas mehr als 3300 Seelen. Sie umfaßt neben dem Ort Weidenberg selbst die Ortschaften Görschnitz, Gossenreuth, Heßlach, Mengersreuth, Mittlernhammer, Rügersberg (Kolmreuth und Kattersreuth), Sophienthal, Waizenreuth, Fischbach, Kirchenpingarten, Muckenreuth, Kirmsees, Fenkensees, Döberschütz und Lessau. Zentrum des gottesdienstlichen Lebens für die Gesamtgemeinde war und ist die St. Michaelskirche auf dem Gurtstein. Sie bietet mit ihren zwei Doppelemporen Platz für 650 Personen.
Lieber
Kirchenbesucher,
Sie
besuchen heute die St. Michaelskirche zu Weidenberg. Hoch über dem Obermarkt,
auf dem Gurtstein gelegen, prägt sie unser Ortsbild.Vielen
Menschen unserer engeren Heimat, ob sie nun hier geboren und aufgewachsen sind,
oder erst später hier herzogen, ist dieses Gotteshaus ans Herz gewachsen.
Verbinden sich doch für viele, Erinnerungen an die Konfirmation oder Hochzeit,
Taufe oder Kirchweih und andere Festtage. Manche haben einen besonderen Bezug
zum Erzengel Michael, dem diese Kirche geweiht ist. Im 26. Psalm lesen wir: „Herr, ich habe lieb die
Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt..“
So
wollen wir nun versuchen, dem interessierten Leser diese Kirche näher
vorzustellen. Im
Namen der Kirchengemeinde Ihr
Pfarrer Elmar Croner
Geschichte: Im 12. Jahrhundert gab es auf dem Gurtstein eine
Burg mit Kapelle zur Verwaltung des großen Reichsforstes nördlich und östlich
von Weidenberg. Dieses Amt übte 1153 ein Otnant von Weidenberg aus, mit dem unsere
Ortschaft erstmals urkundlich erwähnt wird.
Im
Hussitenkrieg 1430 wurde Weidenberg, inzwischen schon lange mit den Marktrechten
ausgestattet, weitgehend zerstört. Das Schloss auf dem Gurtstein wurde zwar
teilweise wieder aufgebaut, doch auf dem östlichen Gurtstein bauten die Herren
von Künsberg, seit 1446 die Nachfolger der Herren von Weidenberg, anstelle der
Burgkapelle eine Pfarrkirche für die Bewohner des Marktes und östlich davon,
schon halb am Hang, das Pfarrhaus. Von
dieser ersten Pfarrkirche sind nur die drei unteren Turmgeschosse erhalten. Das
Langhaus hatte im 30-jährigen Krieg bei den Kroateneinfällen 1633 sicher auch
Schaden erlitten. Und beim großen Brand vom 2. Oktober 1770 wurden 33 Häuser,
13 Städel, 2 Schlösser und die Kirche ein Raub der Flammen.
Man
hat dann gleich noch im selben Jahr mit dem Wiederaufbau des Kirchenschiffes
begonnen, denn über der Brauttüre sind die Jahreszahl 1770 und die Initialen
des letzten Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach und -Bayreuth, Christian
Friedrich Carl Alexander (1736-1806) angebracht. Dieser hat sicher mit
Geldmitteln und Bauholz den Wiederaufbau der Kirche stark unterstützt.
Baubeschreibung und Deckengemälde: Das
Kirchenschiff ist eine Saalkirche von zwei zu fünf Achsen. Die rundbogigen
Hochfenster hatten früher bunte Scheiben. Über dem Kranzgesims ist die Decke
als Spiegelgewölbe ausgeführt. Dort wurden um 1775/80 vom Bayreuther Hofmaler
Wilhelm Ernst Wunder (1713-1787) drei Deckengemälde (Öl auf Putz) ausgeführt,
die Ende des 19. Jahrhunderts renoviert wurden. Im großen Mittelbild sehen wir
Christi Geburt (Anbetung der Hirten), im Ostbild das Abendmahl, im Westbild die
Taufe Christi.
Das
Langhaus der Kirche ist aus verputztem Brockenmauerwerk erbaut, der
fünfgeschossige Turm aus Sandsteinquadern. Das Turmuntergeschoss hat ein
Kreuzrippengewölbe. An der Westseite des Turms gibt es außen in ca. 7m Höhe die
Skulptur eines inzwischen stark verwitterten Kopfes (Pfarrer Will von Creußen
schreibt 1692, dass die Pfarrkirche mit einem gekrönten Mohrenkopf geziert ist)
sowie einige Steinmetzzeichen. Das zweite Obergeschoss ist an einem Stein mit
der Jahreszahl 1576 bezeichnet und am Kranzgeschoss gibt es eine Bauinschrift
von 1710 mit den Initialen IIDM. Diese bezieht sich auf den Turmhelm mit der
welschen Haube und achtseitigen Laterne.
Innenausstattung: Im Langhaus
gibt es eine auf drei Seiten umlaufende Doppelempore mit Balusterbrüstung,
wobei die untere Empore den Altar hinterfängt.
Ob
der Kanzelaltar möglicherweise um
1780 von dem Bildhauer Franz Peter Schuh (1734-1803) nach einem Entwurf des
Architekten Johann Gottlieb Riedel (1722-1791) geschaffen wurde, wie bislang
vermutet, ist fraglich. Das Wappen über dem Schalldeckel der Kanzel hat hier 22
Felder, was eine genauere Altersangabe ermöglicht. In dieser Form wurde das
Wappen von 1703/4-1742 geführt, so dass die Entstehung des Altars wohl auch in
diesem Zeitraum liegen dürfte.
Der
viersäulige Holzaufbau des Altars mit roter Marmorierung ist frühklassizistisch.
Im Mittelfeld befindet sich typisch für die Markgrafenkirchen die Kanzel mit
Engelsköpfen. Der Schalldeckel wird von einer Kartusche von dem markgräflichen
Wappen bekrönt. Unter dem Kanzelkorb ist auf einer anderen Kartusche ein
Abendmahlsgemälde (Öl auf Holz) zu sehen. Zwischen den Säulen stehen auf Valutenkonsolen
die lebensgroßen vergoldeten Figuren der Ecclesia militans und der Ecclesia
triumphans, welche die leidende und die triumphierende Kirche symbolisieren.
Auf den inneren Säulen ruht der freistehende, triumphbogenartig gebildete, hohe
Auszug. Auf kanelierten Pilastern endet das Gebälk in Valuten; darüber wacht
das Auge Gottes. Vor den Pilastern knien Anbetungsengel. Das große Kruzifix im
Auszug ist eine bemerkenswerte Arbeit aus der Zeit um 1500. Die Kreuzenden sind
zu Evangelistensymbolen gestaltet und am Kreuz ist rückseitig ein Kruzifix
aufgemalt, das mit der Jahreszahl 1651 bezeichnet ist.
Der
Sakristeialtar stammt etwa von 1700
und hat einen zweisäuligen Holzaufbau mit gesprengtem Giebel. Im Mittelbild
sind vier Apostel (Johannes, Petrus, Paulus, Markus) nach Albrecht Dürer zu
sehen.
Die
Orgel wurde vermutlich um 1725 von
der bekannten Orgelbauerfamilie Purucker aus Marktleuthen erbaut. Bei der
Gestaltung des dreiteiligen Prospektes, mit Wangen aus durchbrochenem Akunthus-
und Gitterwerk, wirkte auch der Weidenberger Bildschnitzer Johann Christoph
Möckel mit. Am Mittelturm befindet sich oben eine Kartusche mit Fürstenhut und
den Initialen GWMZB (Georg Wilhelm Markgraf zu Brandenburg, 1688-1726). Um das
Jahr 1857 erfolgte eine umfangreiche Reparatur durch den Bayreuther Orgelbauer
Ludwig Weineck. 1870 eine weitere Reparatur (nach starkem Wurmfraß) durch den
Bayreuther Orgelbauer Johann Wolf. In den folgenden Jahren musste sich die
Weidenberger Orgel einiges an Verfall und Wiederherstellung gefallen lassen.
Die Disposition der Manuale und des Pedals erfuhr eine wechselvolle Geschichte.
Ab 1980 liefen langjährige Planungen zu einer grundlegenden Sanierung. Diese
endeten in den Jahren 1994/95 in einer umfassenden Restaurierung durch die
Orgelbaufirma Hey aus Urspringen. Am Sonntag, 23.Juli 1995 war die
Wiedereinweihung der Orgel in ihrer jetzigen Form.
Epitaphbilder Auf
der ersten Empore unter der Orgel gibt es vier Epitaphien mit Pfarrerbildnissen
(Öl auf Leinwand).
1. Adam
Roesler +1719 (reich geschnitzte Rahmung mit Rankenwerk und Bändern)
2.
Johann
Heinrich Böhner 1684-1757
3. Johann
Heinrich Böhner +1783, (Sohn des vorigen)
4.
Johann
Christian Oelschlägel +1821
Im
Kirchenschiff (Westseite) hängen 2 Epitaphien:
1.
Pfarrepitaph
um 1600: auferstandener Christus (Öl auf Holz); in der Predella: Stifterfamilie
mit Kruzifix. Die Rahmung besteht aus zwei Säulen, das Gebälk darüber hat einen
geschweiften Aufsatz.
2.
Epitaph
für Magister Johann Fischer +1690, mit kniender Stifterfamilie (Öl auf Holz).
Auf
der ersten Empore gibt es hinter dem Altar ein Pfarrerepitaph um 1600 (Öl auf
Holz).
Der Verstorbene kniet mit seiner Frau vor dem
Kruzifixus, darüber Christi Auferstehung; an der Seite Spruchinschriften. Die
Rahmung besteht aus toskanischen Säulchen mit Gebälk. An den ausgesägten Wangen
befinden sich geflügelte Engelsköpfchen.
Vortragskreuze 1.
Um
1690, Kreuzbalken mit Akanthusranken und mit Engelsköpfchen an den Enden
2.
1735,
Kreuzenden mit Engelsköpfchen, oben sitzender Engel mit Kelch
3.
Um
1750, mit Engelsköpfchen an den Enden.
Von
den drei im Markt Weidenberg ansässigen Adelsgeschlechtern (v. Weidenberg, v.
Künsberg und v. Lindenfels) haben nur die Herren von Künsberg sichtbare
Spuren an bzw. in der St. Michaelskirche hinterlassen. Diese Familie gab es am
Ort in drei Linien. Eine jede hat sich im Gotteshaus verewigt.
Das
älteste davon ist eine Inschrift an der Südaußenwand der Kirche, wo zu lesen
ist, dass Sebastian von Künsberg zu Weidenberg, Kirmsees und Rabeneck am
4.3.1582 verstarb. Dieser gehörte zu der bereits mit seinem Sohn Jobst Bernhard
von Künsberg am 7.10.1634 im Mannesstamm erloschenen Weidenberger Nebenlinie
(Oberes Schloss).
Im
Turmuntergeschoss steht ein ganzfiguriger Reliefgrabstein mit vier Wappen für
Wolff Adrian von Künsberg zu Weidenberg und Reislas, Hochfürstlich Brandenburgischer
Oberst Wachtmeister (30.08.1594-26.10.1645). Dieser stammte aus der
Weidenberger Hauptlinie, die heute noch blüht (Unteres Schloß).
An
der Rückseite des Altars gibt es auf einem Bild eine Inschrift für Jobst von
Künsberg zu Weidenberg, Pfleger zu Vilseck, der am 21.04.1591 als der letzte
aus der Alt-Wernsteiner Linie verstarb.
Die
Herren von Lindenfels haben sich um 1670 eine aus zwei Gewölben bestehende
Familiengruft im nordöstlichen Kirchenschiff angelegt. Dort ruhen 13
Familienmitglieder, die zwischen 1673 und 1770 bestattet wurden. Der Zugang war
früher bei den Knabenbänken (heute Konfirmandenbänke) und wurde 1967 verschlossen. Von den Grablegen der anderen
beiden Geschlechter, die sich wohl südlich dieser Gruft anschließen, ist heute
nichts mehr bekannt, da sie sicher schon sehr lange verschlossen wurden. Die
jeweils letzten Bestattungen der Vorgängerherrschaften waren: Claus v.
Weidenberg +1446 / Magdalena Barbara v. Künsberg +1661.
Weitere
Grabdenkmäler
An
der Südseite des Turmes außen: Panfick von ? bis 1653. Ganzfiguriges
Bildnisrelief mit vorgehaltener Inschrifttafel aus grauem Marmor.
Im
Turmuntergeschoss links neben Wolff Adrian von Künsberg: Seitlich von Hermenpilastern
begrenztes Denkmal für Elias Schnorr, Hauptmann, Flößverwalter und Steuereinnehmer
in Weidenberg (1684-1752) und dessen Ehefrau Maria (1686-1738), aus Sandstein.
Am Sockel werden die Inschrifttafeln von Totengerippen gehalten, im Gebälk ein
Engelskopf (evtl. aus der Räntz-Werkstatt in Bayreuth).
Des
weiteren hinter der Kirche und am Pfarrhaus.