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April - Oktober täglich 9 - 19 Uhr

November - März täglich 9 - 16 Uhr


Die Evang.- Luth. Kirchengemeinde Weidenberg zählt heute in zwei "Pfarrsprengeln" etwas mehr als 3300 Seelen. Sie umfaßt neben dem Ort Weidenberg selbst die Ortschaften Görschnitz, Gossenreuth, Heßlach, Mengersreuth, Mittlernhammer, Rügersberg (Kolmreuth und Kattersreuth), Sophienthal, Waizenreuth, Fischbach, Kirchenpingarten, Muckenreuth, Kirmsees, Fenkensees, Döberschütz und Lessau.
Zentrum des gottesdienstlichen Lebens für die Gesamtgemeinde war und ist die             St. Michaelskirche auf dem Gurtstein. Sie bietet mit ihren zwei Doppelemporen Platz für 650 Personen.


Lieber Kirchenbesucher,

Sie besuchen heute die St. Michaelskirche zu Weidenberg. Hoch über dem Obermarkt, auf dem Gurtstein gelegen, prägt sie unser Ortsbild. Vielen Menschen unserer engeren Heimat, ob sie nun hier geboren und aufgewachsen sind, oder erst später hier herzogen, ist dieses Gotteshaus ans Herz gewachsen. Verbinden sich doch für viele, Erinnerungen an die Konfirmation oder Hochzeit, Taufe oder Kirchweih und andere Festtage. Manche haben einen besonderen Bezug zum Erzengel Michael, dem diese Kirche geweiht ist. Im 26. Psalm lesen wir:
Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt..“ So wollen wir nun versuchen, dem interessierten Leser diese Kirche näher vorzustellen.
Im Namen der Kirchengemeinde
Ihr Pfarrer            
Elmar Croner    

Geschichte
: 
Im 12. Jahrhundert gab es auf dem Gurtstein eine Burg mit Kapelle zur Verwaltung des großen Reichsforstes nördlich und östlich von Weidenberg. Dieses Amt übte 1153 ein Otnant von Weidenberg aus, mit dem unsere Ortschaft erstmals urkundlich erwähnt wird. Im Hussitenkrieg 1430 wurde Weidenberg, inzwischen schon lange mit den Marktrechten ausgestattet, weitgehend zerstört. Das Schloss auf dem Gurtstein wurde zwar teilweise wieder aufgebaut, doch auf dem östlichen Gurtstein bauten die Herren von Künsberg, seit 1446 die Nachfolger der Herren von Weidenberg, anstelle der Burgkapelle eine Pfarrkirche für die Bewohner des Marktes und östlich davon, schon halb am  Hang, das Pfarrhaus. Von dieser ersten Pfarrkirche sind nur die drei unteren Turmgeschosse erhalten. Das Langhaus hatte im 30-jährigen Krieg bei den Kroateneinfällen 1633 sicher auch Schaden erlitten. Und beim großen Brand vom 2. Oktober 1770 wurden 33 Häuser, 13 Städel, 2 Schlösser und die Kirche ein Raub der Flammen. Man hat dann gleich noch im selben Jahr mit dem Wiederaufbau des Kirchenschiffes begonnen, denn über der Brauttüre sind die Jahreszahl 1770 und die Initialen des letzten Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach und -Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander (1736-1806) angebracht. Dieser hat sicher mit Geldmitteln und Bauholz den Wiederaufbau der Kirche stark unterstützt.  

Baubeschreibung und Deckengemälde
: 
Das Kirchenschiff ist eine Saalkirche von zwei zu fünf Achsen. Die rundbogigen Hochfenster hatten früher bunte Scheiben. Über dem Kranzgesims ist die Decke als Spiegelgewölbe ausgeführt. Dort wurden um 1775/80 vom Bayreuther Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder (1713-1787) drei Deckengemälde (Öl auf Putz) ausgeführt, die Ende des 19. Jahrhunderts renoviert wurden. Im großen Mittelbild sehen wir Christi Geburt (Anbetung der Hirten), im Ostbild das Abendmahl, im Westbild die Taufe Christi. Das Langhaus der Kirche ist aus verputztem Brockenmauerwerk erbaut, der fünfgeschossige Turm aus Sandsteinquadern. Das Turmuntergeschoss hat ein Kreuzrippengewölbe. An der Westseite des Turms gibt es außen in ca. 7m Höhe die Skulptur eines inzwischen stark verwitterten Kopfes (Pfarrer Will von Creußen schreibt 1692, dass die Pfarrkirche mit einem gekrönten Mohrenkopf geziert ist) sowie einige Steinmetzzeichen. Das zweite Obergeschoss ist an einem Stein mit der Jahreszahl 1576 bezeichnet und am Kranzgeschoss gibt es eine Bauinschrift von 1710 mit den Initialen IIDM. Diese bezieht sich auf den Turmhelm mit der welschen Haube und achtseitigen Laterne.  

Innenausstattung:
 
Im Langhaus gibt es eine auf drei Seiten umlaufende Doppelempore mit Balusterbrüstung, wobei die untere Empore den Altar hinterfängt. Ob der Kanzelaltar möglicherweise um 1780 von dem Bildhauer Franz Peter Schuh (1734-1803) nach einem Entwurf des Architekten Johann Gottlieb Riedel (1722-1791) geschaffen wurde, wie bislang vermutet, ist fraglich. Das Wappen über dem Schalldeckel der Kanzel hat hier 22 Felder, was eine genauere Altersangabe ermöglicht. In dieser Form wurde das Wappen von 1703/4-1742 geführt, so dass die Entstehung des Altars wohl auch in diesem Zeitraum liegen dürfte. Der viersäulige Holzaufbau des Altars mit roter Marmorierung ist frühklassizistisch. Im Mittelfeld befindet sich typisch für die Markgrafenkirchen die Kanzel mit Engelsköpfen. Der Schalldeckel wird von einer Kartusche von dem markgräflichen Wappen bekrönt. Unter dem Kanzelkorb ist auf einer anderen Kartusche ein Abendmahlsgemälde (Öl auf Holz) zu sehen. Zwischen den Säulen stehen auf Valutenkonsolen die lebensgroßen vergoldeten Figuren der Ecclesia militans und der Ecclesia triumphans, welche die leidende und die triumphierende Kirche symbolisieren. Auf den inneren Säulen ruht der freistehende, triumphbogenartig gebildete, hohe Auszug. Auf kanelierten Pilastern endet das Gebälk in Valuten; darüber wacht das Auge Gottes. Vor den Pilastern knien Anbetungsengel. Das große Kruzifix im Auszug ist eine bemerkenswerte Arbeit aus der Zeit um 1500. Die Kreuzenden sind zu Evangelistensymbolen gestaltet und am Kreuz ist rückseitig ein Kruzifix aufgemalt, das mit der Jahreszahl 1651 bezeichnet ist. Der Sakristeialtar stammt etwa von 1700 und hat einen zweisäuligen Holzaufbau mit gesprengtem Giebel. Im Mittelbild sind vier Apostel (Johannes, Petrus, Paulus, Markus) nach Albrecht Dürer zu sehen. Die Orgel wurde vermutlich um 1725 von der bekannten Orgelbauerfamilie Purucker aus Marktleuthen erbaut. Bei der Gestaltung des dreiteiligen Prospektes, mit Wangen aus durchbrochenem Akunthus- und Gitterwerk, wirkte auch der Weidenberger Bildschnitzer Johann Christoph Möckel mit. Am Mittelturm befindet sich oben eine Kartusche mit Fürstenhut und den Initialen GWMZB (Georg Wilhelm Markgraf zu Brandenburg, 1688-1726). Um das Jahr 1857 erfolgte eine umfangreiche Reparatur durch den Bayreuther Orgelbauer Ludwig Weineck. 1870 eine weitere Reparatur (nach starkem Wurmfraß) durch den Bayreuther Orgelbauer Johann Wolf. In den folgenden Jahren musste sich die Weidenberger Orgel einiges an Verfall und Wiederherstellung gefallen lassen. Die Disposition der Manuale und des Pedals erfuhr eine wechselvolle Geschichte. Ab 1980 liefen langjährige Planungen zu einer grundlegenden Sanierung. Diese endeten in den Jahren 1994/95 in einer umfassenden Restaurierung durch die Orgelbaufirma Hey aus Urspringen. Am Sonntag, 23.Juli 1995 war die Wiedereinweihung der Orgel in ihrer jetzigen Form.

Disposition heute      2 Manuale: 12 Register, 2 Glockenakkorde, Manualkoppel                                      Pedal: 2 Register, Pedalkoppeln  

Epitaphbilder

Auf der ersten Empore unter der Orgel gibt es vier Epitaphien mit Pfarrerbildnissen (Öl auf Leinwand).
1.    Adam Roesler +1719 (reich geschnitzte Rahmung mit Rankenwerk und Bändern)
2.    Johann Heinrich Böhner 1684-1757
3.    Johann Heinrich Böhner +1783, (Sohn des vorigen)
4.    Johann Christian Oelschlägel +1821

Im Kirchenschiff (Westseite) hängen 2 Epitaphien:
1.    Pfarrepitaph um 1600: auferstandener Christus (Öl auf Holz); in der Predella: Stifterfamilie mit Kruzifix. Die Rahmung besteht aus zwei Säulen, das Gebälk darüber hat einen geschweiften Aufsatz.
2.    Epitaph für Magister Johann Fischer +1690, mit kniender Stifterfamilie (Öl auf Holz).
Auf der ersten Empore gibt es hinter dem Altar ein Pfarrerepitaph um 1600 (Öl auf Holz).
Der Verstorbene kniet mit seiner Frau vor dem Kruzifixus, darüber Christi      Auferstehung; an der Seite Spruchinschriften. Die Rahmung besteht aus toskanischen Säulchen mit Gebälk. An den ausgesägten Wangen befinden sich geflügelte Engelsköpfchen.  

Vortragskreuze
1.   Um 1690, Kreuzbalken mit Akanthusranken und mit Engelsköpfchen an den Enden
2.   1735, Kreuzenden mit Engelsköpfchen, oben sitzender Engel mit Kelch
3.   Um 1750, mit Engelsköpfchen an den Enden.  

Von den drei im Markt Weidenberg ansässigen Adelsgeschlechtern (v. Weidenberg, v. Künsberg und v. Lindenfels) haben nur die Herren von Künsberg sichtbare Spuren an bzw. in der St. Michaelskirche hinterlassen. Diese Familie gab es am Ort in drei Linien. Eine jede hat sich im Gotteshaus verewigt.
Das älteste davon ist eine Inschrift an der Südaußenwand der Kirche, wo zu lesen ist, dass Sebastian von Künsberg zu Weidenberg, Kirmsees und Rabeneck am 4.3.1582 verstarb. Dieser gehörte zu der bereits mit seinem Sohn Jobst Bernhard von Künsberg am 7.10.1634 im Mannesstamm erloschenen Weidenberger Nebenlinie (Oberes Schloss). Im Turmuntergeschoss steht ein ganzfiguriger Reliefgrabstein mit vier Wappen für Wolff Adrian von Künsberg zu Weidenberg und Reislas, Hochfürstlich Brandenburgischer Oberst Wachtmeister (30.08.1594-26.10.1645). Dieser stammte aus der Weidenberger Hauptlinie, die heute noch blüht (Unteres Schloß).
An der Rückseite des Altars gibt es auf einem Bild eine Inschrift für Jobst von Künsberg zu Weidenberg, Pfleger zu Vilseck, der am 21.04.1591 als der letzte aus der Alt-Wernsteiner Linie verstarb.
Die Herren von Lindenfels haben sich um 1670 eine aus zwei Gewölben bestehende Familiengruft im nordöstlichen Kirchenschiff angelegt. Dort ruhen 13 Familienmitglieder, die zwischen 1673 und 1770 bestattet wurden. Der Zugang war früher bei den Knabenbänken (heute Konfirmandenbänke) und wurde 1967  verschlossen. Von den Grablegen der anderen beiden Geschlechter, die sich wohl südlich dieser Gruft anschließen, ist heute nichts mehr bekannt, da sie sicher schon sehr lange verschlossen wurden.
Die jeweils letzten Bestattungen der Vorgängerherrschaften waren: Claus v. Weidenberg +1446 / Magdalena Barbara v. Künsberg +1661.  

Weitere Grabdenkmäler An der Südseite des Turmes außen: Panfick von ? bis 1653. Ganzfiguriges Bildnisrelief mit vorgehaltener Inschrifttafel aus grauem Marmor.
Im Turmuntergeschoss links neben Wolff Adrian von Künsberg: Seitlich von Hermenpilastern begrenztes Denkmal für Elias Schnorr, Hauptmann, Flößverwalter und Steuereinnehmer in Weidenberg (1684-1752) und dessen Ehefrau Maria (1686-1738), aus Sandstein. Am Sockel werden die Inschrifttafeln von Totengerippen gehalten, im Gebälk ein Engelskopf (evtl. aus der Räntz-Werkstatt in Bayreuth). Des weiteren hinter der Kirche und am Pfarrhaus.  

Glocken

1.     Friedensglocke, 1952                    3.     11 Uhr Glocke, 1738
2.     12 Uhr Glocke, 1738                     4.     Taufglocke, 1951    

Herausgegeben vom Evang.-Luth. Pfarramt, Gurtstein 4, 95466 Weidenberg  

Evangelisch-Lutherische
St. Michaelskirche Weidenberg



www.offene-kirchen-bayern.de